Mitteilungen von Religions for Peace Nr. 5

5. Januar 2026

Liebe Mitglieder und Freund:innen von Religions for Peace,

wenn die Welt verrücktspielt und am Abgrund des Wahnsinns balanciert, bedarf es eines festen und zugleich flexiblen Standes. Noch vor kurzer Zeit mochte man denken, dass es zwar jede Menge Krisen auf der Welt gebe, darunter auch solche, in denen interreligiöse Friedensarbeit not-wendig sein könne, so sei doch hier bei uns in Deutschland und Europa zumindest fast alles gut, die Demokratie stabil, interreligiöse Konflikte eine Sache der Vergangenheit und eigentlich kein Bedarf an interreligiöser Friedensarbeit. Doch anscheinend hat sich das geändert: Antisemitismus wächst wieder und gesellt sich an die Seite der Islamophobie. Nationalismus wurde aus dem Abraum der Geschichte wieder ausgegraben. Auch die USA, noch vor kurzem eine Garantin für Demokratie und Sicherheit, fördern Demokratiefeindlichkeit, bekämpfen den internationalen Strafgerichtshof und forcieren den Klimawandel schlimmer als je zuvor. Russland führt seit drei Jahren einen erbarmungslosen Krieg gegen die Ukraine, auch angestachelt durch den Patriarchen der Russisch-Orthodoxen Kirche. Europäische Regierungen schwanken zwischen Ratlosigkeit, Aufrüstungswettbewerb und Angst vor den oder gar Parteinahme für die Starken. Auch in Bezug zu Israel und Palästina werden die Gräben tiefer. Die Friedensbewegung ist gespalten in einen wehrbereiten und einen radikalen Flügel. Und manchmal leben sich sogar Freund:innen auseinander, weil sie auf verschiedenen Seiten stehen.

Was können wir, Religions for Peace und andere interreligiöse Dialog- und Friedensorganisationen in Deutschland tun gegen diese Misere? Martin Affolderbach beschreibt in seinem Essay ein paar Beispiele guter Praxis, die zwar nicht die Weltpolitik ändern, aber Herzen erreichen können und das friedliche Miteinanderleben in unserer Gesellschaft fördern. Thomas Thiele stellt sein interreligiöses Engagement im Bayerischen Wald vor. Ulrich Starke-Gerster stellt die Religions for Peace Regionalgruppe Heilbronn-Franken vor, die sich vielfältig engagiert. Und Hamideh Mohagheghi berichtet von den Friedensworten in Hannover.
Und wieder Martin Affolderbach, der in diesen Mitteilungen mit drei Texten vertreten ist, stellt das Zelt der Religionen in Bamberg und die Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vor. Nun wird diese auch heftig diskutiert in der Friedensbewegung, so dass wir dazu ermuntern möchten, uns Eure/Ihre Meinungen dazu zukommen zu lassen, am besten in Form von Leser:innenbriefen. Die werden wir dann entweder in den nächsten Mitteilungen oder vorher in einer Extraausgabe veröffentlichen. Denn besser als übereinander ist es miteinander zu reden.

Peter Bender berichtet vom letzten Treffen des Interreligiösen Netzwerks Deutschland,  Maria Leppäkari aus Finnland, die neu gewählte Generalsekretärin von Religions for Peace Europa, von der auch das Grußwort am Anfang dieser Mitteilungen stallmt stellt sich kurz selbst vor, und wir veröffentlichen hier einen Brief von Religions for Peace Deutschland an Religions for Peace International zum aktuellen Rahmenprogramm „Shared Sacred Flourishing“. Der Name dieses Programms, der schwierig ins Deutsche zu übersetzen ist, etwa „Gemeinsames Heiliges Gedeihen“, macht deutlich, dass die Kommunikation auf internationaler Ebene auf Englisch stattfindet. Wir haben – auch aus Zeitgründen, damit diese Mitteilungen pünktlich zur Wintersonnenwende rundgeschickt werden – uns entschieden, drei Texte in dieser Ausgabe auf Englisch zu belassen, verbunden mit der Frage, ob das für Euch/Sie so in Ordnung ist oder ob es besser wäre, sie zu übersetzen. Meldet Euch/Melden Sie sich bitte bei Bedarf.  

Miteinanderreden ist auch das Motto unseres Online-Gesprächskreises „Interreligiöser Dialog hier und jetzt“. Beim letzten Mal sprachen wir über die Frage, was denn überhaupt eine religiöse Wahrheit sei. Ausgangspunkt war die Frage, wie man denn religiöse Wahrheit in einer anderen Religion feststellen könne. Inklusivistisch wird ja immer gerne das bei anderen als wahr angesehen, was der Wahrheit der eigenen Religion entspricht. Komparativ  und pluralistisch ist es aber auch möglich, bei anderen das als Wahrheit anzuerkennen, was sich von der Wahrheit der eigenen Religion unterscheidet. Man spricht dann von Komplementarität. Aber woran erkennt man solche Wahrheit? Im letzten Gesprächskreis waren es vor allem Kriterien der Gewaltlosigkeit, die angeführt wurden, also ethische Maßstäbe. Es gibt in diesen Mitteilungen keinen Beitrag darüber, aber eine Einladung, sich am nächsten Gesprächskreis zu beteiligen, in welchem wir das Thema fortsetzen wollen. Der wird stattfinden, nachdem es in Bielefeld einen Abend zur Komparativen und Pluralistischen Theologie mit Idris Nassery und Perry Schmidt-Leukel gegeben haben wird. Vielleicht können einige an beidem teilnehmen und es miteinander verbinden oder an einer der beiden Veranstaltungen.

Den Abschluss der Mitteilungen bildet dieses Mal ein Gedicht, wieder von Thomas  Thiele.

Wir wünschen allen eine gute Zeit zwischen den Jahren! Möge die Muße, die Seele ein wenig baumeln zu lassen, vorhanden sein! Und möge das nächste Jahr friedlicher werden, als das jetzt vergehende!

Herzliche Grüße von der Redaktion!

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