Der Pakt von Manresa 2022

15. Dezember 2022

Multireligiöser, multisektoraler und globaler Pakt für die Entwicklung von resilienten, nachhaltigen, sicheren und inklusiven Städten

Originalartikel: rfp.org

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Wir, Mitglieder von Glaubensgemeinschaften aus der ganzen Welt, darunter Vertreter*innen indigener spiritueller Traditionen, sowie akademische Expert*innen für den Klimawandel und Vertreter des Stadtrats von Manresa, haben uns vom 27. bis 30. November 2022 in der Stadt Manresa zum Forum ‚Am Scheideweg: Eine multireligiöse, generationenübergreifende Antwort auf die sozialen und ökologischen Krisen‘ getroffen. Ziel war die Bündelung einer multireligiösen, intersektionalen und generationenübergreifenden Bewegung für integrative, sichere, resiliente und nachhaltige Städte (SDG 11) unter der Leitung von Religionen für den Frieden, dem Stadtrat von Manresa und Religionen für den Frieden Spanien.   

Der Manresa-Pakt 2022 ist das Ergebnis einer Reise, die mit der Lindauer Konferenz des Weltrats der Religionsführer*innen über Glaube und Diplomatie zum Thema ‚Generationen im Dialog‘ begann. Seitdem betonen wir die Bedeutung der multireligiösen und generationenübergreifenden Ausrichtung unsern Engagements für unser aller Zukunft.

Diese Reise wurde mit der Veranstaltung zum Tag der Erde ‚Love and Respect the Earth: Multi-Religious Collaboration to Address the Climate Crisis’ und der COP27-Nebenveranstaltung ‚Realizing Ambition through Ethical, Intergenerational and Multisectoral Responses to Climate Crises‘ verbunden.

Zu Ehren des Heiligen Ignatius von Loyola, eines Pilgers, der vor 500 Jahren in Manresa weilte und die Kraft der inneren Wandlung lehrte, gingen wir gemeinsam den Camí Ignasià (Ignatiusweg) entlang. Diese multireligiöse Pilgererfahrung ermöglichte es uns, als Gemeinschaft innezuhalten und die Welt um uns herum und unseren Platz darin zu betrachten. Sie erinnerte uns an die Einladung des Heiligen Ignatius hin zu einer Entwicklung des persönlichen Wachstums und zu einem Leben in Frieden und Einheit.

Im Laufe von drei Konferenztagen mit Begegnungen, Debatten, Reflexionen und Workshops in der Stadt Manresa gelangten wir zu einer gemeinsamen, transformativen Einsicht in die spirituelle Dringlichkeit, uns um unser leidgeprüftes gemeinsames Haus, die Erde, die alle Menschen, alle empfindungsfähigen Wesen und die gesamte Lebensgemeinschaft nährt und erhält, zu kümmern.

Als Anhänger *innen verschiedener Traditionen, Glaubensrichtungen und Praktiken teilen wir den Manresa-Pakt als eine neue Vision für ein Leben in Harmonie miteinander und mit der Erde. 

Denn wir befinden uns an einem Scheideweg.  Der Klimawandel verschärft soziale und ökologische Krisen, die die Städte betreffen, in denen ein Großteil der Weltbevölkerung lebt, darunter auch Flüchtlinge und Menschen, die durch die Auswirkungen des Klimawandels vertrieben wurden.  Wir müssen integrative, sichere, widerstandsfähige und nachhaltige Städte schaffen, um die Auswirkungen der sozialen und ökologischen Krisen abzumildern, die jede und jeden betreffen, insbesondere die in sozialer Hinsicht Verwundbarsten.   

Die Komplexität der Klimakrise und ihre Auswirkungen erfordern einen intersektionalen, interreligiösen, generationenübergreifenden und geschlechtersensiblen Ansatz. Dies bedarf eines Wandels unserer Sichtweisen auf die Umwelt und einer Überprüfung der Kohärenz unseres konsumorientierten Lebensstils mit dem Anspruch auf Nachhaltigkeit. Motiviert durch die ethischen Grundsätze und Werte in der Lehren unserer Religionen und durch kooperative und visionäre Ausrichtung unserer Einstellungen erkennen wir die Schlüsselrolle lokaler und globaler religiöser Akteure, einschließlich religiöser Führungskräfte wie Frauen, Männer und Jugendliche als Akteur*innen an, dass sie sich entschieden für den Wandel einsetzen.

Die Auswirkungen der Klimakrise auf die Jugend sind besonders akut, da diese Generation einen Planeten erben wird, der von sozioökonomischen und ökologischen Herausforderungen und Ungerechtigkeiten geplagt ist.  Wir erkennen die entscheidende Rolle der Jugend als Teil einer globalen Antwort auf die Klimakrise an und verpflichten uns, die jungen Führungskräfte zu unterstützen: sie werden es uns allen ermöglichen, in der Gegenwart an einer besseren Zukunft zu arbeiten. 

Daher verpflichten wir uns zu einem Transformationsprozess:

  • Weit über dieses Treffen hinaus diesen Wandel in Solidarität fortzusetzen, jeder und jede von uns, in unseren jeweiligen Gemeinschaften, Regionen und Nationen.
  • Durch stärkeren generationenübergreifenden, interreligiösen und sektorübergreifenden Austausch Sorge zu tragen für eine soziale Entwicklung und Erneuerung, um Ungleichheit und Diskriminierung zu bekämpfen. Wir wollen, dass alle Gemeinschaften an Gerechtigkeit und Gleichheit in integrativen, sicheren, widerstandsfähigen und nachhaltigen Städten profitieren können.
  • Zum Nachdenken über unseren privaten und gemeinschaftlichen Konsum und die Art und Weise, wie unser persönliches und kollektives Handeln dazu beitragen kann, die Umweltverschmutzung und den Klimawandel zu verringern und menschlichere Räume in den Städten zu schaffen. 
  • Zur Förderung des Bewusstseins, dass die natürlichen Ressourcen endlich sind, dass Maßnahmen zum Schutz der Umwelt mit der Marktdynamik in Einklang gebracht werden müssen, dass mehr zu haben nicht immer besser ist und dass es ohne Frieden in unseren Herzen keine ganzheitliche, transformative Ökologie geben kann. 
  • Aktiv auf die Medien und andere gesellschaftliche Akteure zuzugehen, um wahrheitsgemäße, faire und evidenzbasierte Informationen über die Auswirkungen des Klimawandels zu verbreiten und den Prozess der Transformation hin zu einem bewussten und verantwortungsvollen Lebensstil zu unterstützen. 
  • Zur Zusammenarbeit mit nationalen und lokalen Regierungen, einschließlich Städten, in einem sektorübergreifenden Ansatz, um die auf nationaler Ebene eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen. 

  

Im Hinblick auf diese Verpflichtungen setzen wir uns für die folgenden Maßnahmen ein:  

  • Jährliche Durchführung von Maßnahmen zur Verbesserung des Klimas in unseren Städten. 
  • Die umfassende Beteiligung von Bürger*innen und Gemeindemitgliedern an der Entwicklung nachhaltiger Infrastrukturen in den Städten.
  • Die Umsetzung von vielseitigen und umfassenden Projekten, die die Gesundheit und das Wohlergehen allen Lebens fördern und schützen, basierend auf den Werten von Gerechtigkeit, Inklusion und umfassender ökologischer Verantwortung. 
  • Veröffentlichung und Sensibilisierung der Menschen für die unverhältnismäßigen Auswirkungen des Klimawandels auf Gemeinschaften in der ganzen Welt.
  • Erarbeitung und Verbreitung von Materialien zur Umweltbildung in religiösen Bildungseinrichtungen
  • Einrichtung eines multireligiösen, sektorübergreifenden, generationenübergreifenden und geschlechtersensiblen virtuellen Lernzentrums für den Austausch von bewährten Praktiken und Informationen, um integrativere, nachhaltigere und sicherere Gesellschaften zu schaffen. 

Und als Zeichen der gemeinsamen Anerkennung haben wir am 30. November den Pakt von Manresa 2022 mit den folgenden Menschen und Institutionen unterzeichnet, die mit der Mutter Erde verbunden sind und in Gemeinschaft mit allen anderen Wesen leben.

Übersetzung ins Deutsche:
Prof. Dr. Elisabeth Naurath
Teilnehmerin der Konferenz in Manresa

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