Erklärung zum Ukraine-Konflikt

28. März 2022

siehe: Religions for Peace faith leaders demand an accountability to peace (7. Februar 2022)

Vereint in aller unserer Verschiedenheit, sind wir, jedes Mitglied von Religions for Peace weltweit, verbunden darin, dass wir in unsere Gebete und unsere Anteilnahme alle hineinnehmen, die von dem jüngsten sinnlosen Kreislauf an Gewalt und Konflikt in der Ukraine betroffen sind.
Als eine Organisation, die in den tiefsten religiösen Friedensüberzeugungen, die es in allen Glaubenstraditionen gibt, gegründet ist, verurteilen wir ausnahmslos jegliche Form der Gewalt. Wir wissen in unseren Herzen und mit unserem Verstand – und auf Grund bitterer Erfahrungen –, dass bewaffneter Konflikt niemals positive Ziele erreichen kann.
Wir verurteilen jeden Versuch, vermeintlich Religion zu verteidigen und das als Vorwand für einen Krieg zu gebrauchen.
Wir beten mit all unserer Kraft für jede einzelne Person, die in diesen Konflikt involviert ist.
Wir beten für die Kinder, die Frauen und die Männer, die getötet und verletzt werden und die aus ihrer Heimat fliehen in schierer Verzweiflung über das, was geschehen ist. Wir appellieren an alle Seiten, einen humanitären Korridor für eine sichere Evakuierung der Zivilisten zu garantieren und dringend nötige Hilfe verteilen zu können.
Wir bitten für die Bürger der Ukraine und Russlands, die ohne jegliches eigene Verschulden geistlich und materiell über Jahrzehnte hin leiden müssen. Gewalt bringt Gewalt hervor, und sie brauchen viel Unterstützung, um sich von der Furcht, der Unsicherheit, der Bitterkeit und dem Trauma zu erholen, die unweigerlich dem gewaltsamen Konflikt folgen.
Wir beten für unsere Brüder und Schwestern in der Russisch-Orthodoxen Kirche, dem Ukrainischen Rat der Kirchen und der religiösen Organisationen (UCCRO), dem Interreligiösen Rat in Russland (ICR), für die Gläubigen in ihren religiösen Denominationen und für die Menschen in jeder Religion in dieser Region, und rufen sie auf, sich den fundamentalen Sinn und die Natur der Religionen zu vergegenwärtigen und aufzustehen und einzutreten für den Frieden.
Wir beten für die politischen Führer. Wir hoffen aus ganzen Herzen, dass sie lange genug innehalten, um sich den Sinn und die Güte ihrer Humanität und den einzigartigen Wert jedes einzelnen menschlichen Lebens auf dem Planeten ins Bewusstsein zu rufen. Wir rufen sie auf, sich die von ihnen beschworene Verpflichtung vor Augen zu führen, das Leben jedes Menschen unter ihrer Führung zu schützen, und unverzüglich die sinnlose Gewalt zu beenden.
Als eine Organisation, die sich dem Frieden und dem Wohlergehen von Jedem und Jeder widmet, erneuert Religions for Peace die Überzeugung, dass der Einsatz für eine gewaltfreie Lösung ein Ausdruck der von uns allen geteilten Verpflichtung für einen gerechten und nachhaltigen Frieden ist.
Gemäß dieser Verpflichtung, die in den tief verankerten und miteinander geteilten Überzeugungen wurzelt, dass wir nämlich als Glaubensgemeinschaften den Verletzlichsten zur Seite stehen müssen, wird der multireligiöse Hilfsfond von Religions for Peace zu Vorschlägen aufrufen, wie interreligiöse Initiativen denen helfen können, die auf Grund des Konflikts ihre Heimat verlassen müssen. Wir rufen auch andere religiöse und zivilgesellschaftliche Organisationen auf, gemeinsame Aktionen zu unterstützen, um die zu schützen, die unter diesem Krieg leiden.

Übersetzung: Johannes Lähnemann

*

Erklärung des Vorstandes von Religions for Peace Deutschland zur besonderen Thematisierung des Krieges in der Ukraine:

Religions for Peace Deutschland versteht sich als interreligiöse international orientierte Friedens- und Dialogorganisation. Dass Religions for Peace Deutschland besonders den Krieg in der Ukraine hier auf der Homepage hervorgehoben thematisiert, hängt damit zusammen, dass dieser Krieg Deutschland durch die geografische Nähe der Kriegsregion, die engen Beziehungen Deutschlands zu beiden Kriegsländern, die große Zahl von Geflüchteten aus der Ukraine in Deutschland und durch die historische Verantwortung unseres Landes gegenüber Mittel- und Osteuropa besonders betrifft.

Zu Recht ist die Öffentlichkeit in Deutschland daher auch daran interessiert zu erfahren, was eine deutsche interreligiöse international orientierte Friedens- und Dialogorganisation aktuell zum Ukraine-Krieg denkt und tut.

Religions for Peace Deutschland lotet in Kontakten zu verschiedenen religiösen und internationalen Akteuren Optionen für realistische gemeinschaftliche interreligiöse Friedens- und Dialoginitiativen zum Ukraine-Krieg aus. Auch Religions for Peace Europa hat eine Gruppe gegründet, die sich mit der europäischen Dimension des Kriegs in der Ukraine und möglichen europäischen interreligiösen Friedens- und Hilfsaktivitäten befasst

(02.04.2022)

Das bedeutet nicht, dass andere Kriege etwa in Afghanistan, Jemen, Syrien oder in afrikanischen Ländern aus dem Blick geraten sollen. Aber als Organisation mit begrenzten, ehrenamtlichen Ressourcen gilt es für Religions for Peace Deutschland, Kräfte zu bündeln und notwendigerweise Aktivitäten zu konzentrieren, zumal Religions for Peace Deutschland keine caritative oder humanitäre Hilfsorganisation ist.

Religions for Peace International in New York engagiert sich seit über 50 Jahren mit interreligiöser Friedens- und Dialogarbeit auch in anderen Krisenregionen in Europa, im Nahen Osten, Lateinamerika, Asien und Afrika.

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Diese Wochen sind in unseren Religionen eine zentrale Festzeit: Pessach im Judentum, Ostern im Christentum, Ramadan im Islam, Neujahr im Buddhismus, Ridvan in der Baha’i-Religion. Jedes Fest enthält eine Heilsbotschaft: Pessach die Freiheitsbotschaft der Torah, Ostern die Lebensbotschaft des Evangeliums, Ramadan die Friedensbotschaft des Koran, die Verbundenheit alles Existierenden im Buddhismus, das Ridvan-Fest – die Verkündigung der Einheit der Menschheit.

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