Stellungnahme zum Friedensnobelpreis 2022 und zum Krieg gegen die Ukraine

7. Oktober 2022

Religions for Peace Deutschland

Religions for Peace Deutschland begrüßt die heute bekannt gegebene Verleihung des Friedensnobelpreises an Personen und Organisationen aus Belarus, Russland und der Ukraine, die sich aktiv für Frieden und Menschenrechte eingesetzt haben.

Religions for Peace Deutschland unterstreicht erneut seine scharfe Verurteilung des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Der von der Staatsführung der Russischen Föderation willkürlich begonnene und als „militärische Sonderoperation“ propagandistisch beschönigte Vernichtungskrieg muss sofort gestoppt und jegliche Gewalt gegen die Zivilbevölkerung der Ukraine sofort beendet werden. Aktionen, ukrainisches Territorium durch Zerstörung, Vertreibung, Verschleppung, Menschenrechtsverletzungen, Grenzverschiebungen und Verwaltungsmaßnahmen zu annektieren und der Russischen Föderation einzuverleiben, sind nicht akzeptabel und zu unterlassen. Sie stellen einen massiven Bruch der UNO-Charta und zahlreicher internationaler Verträge der gemeinsamen europäischen Friedens- und Sicherheitsarchitektur dar, zu deren Einhaltung sich auch die Regierung der Russischen Föderation verpflichtet hat. Ebenso ist die Zerstörung von religiös genutzten Bauwerken und kulturellem ukrainischem Erbe zu verurteilen und unakzeptabel.

Der Einsatz von Atomwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen wäre ein furchtbares Verbrechen an Menschheit und Umwelt. Alle Religionsgemeinschaften und Verantwortliche in Politik und Militär weltweit stehen in der Pflicht, ihn zu verhindern. Wir beten gemeinsam dafür, dass die Welt vor solcher Zerstörung bewahrt bleibt.

Aus der Perspektive einer interreligiösen und internationalen Friedensorganisation betonen wir: Dass einzelne religiöse Würdenträger aus der Russischen Föderation, namentlich aus der Russisch-Orthodoxen Kirche, den Angriffskrieg gegen die Ukraine und Kriegsverbrechen religiös und theologisch rechtfertigen und Waffen segnen, ist entschieden abzulehnen. Eine theologische oder religiöse Rechtfertigung solcher Kriegshandlungen, Menschenrechtsverletzungen und Zerstörung kann es nicht geben. Solche Äußerungen aus der Russisch-Orthodoxen Kirche sind aus der orthodoxen Kirche scharf verurteilt worden und stehen aus der Sicht von Religions for Peace Deutschland im fundamentalen Widerspruch zu den grundlegenden Fundamenten der Religionen und demzufolge auch zu den Zielen und Werten des weltweiten interreligiösen Netzwerkes von Religions for Peace, wie sie etwa auf der deren Weltversammlung 2019 in Lindau (Deutschland) feierlich proklamiert und verbindlich festgeschrieben wurden – auch unter Beteiligung von (inter-)religiösen Vertretern aus der Russischen Föderation.

Begangene Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen im Krieg gegen die Ukraine müssen international dokumentiert, juristisch verfolgt und die dafür Verantwortlichen und daran Beteiligten gemäß internationalem Recht bestraft werden. Religionsgemeinschaften und interreligiöse Institutionen in der Russischen Föderation und in der Ukraine, aber auch etwaige vermittelnde religiöse und interreligiöse  Initiativen auf internationaler Ebene oder in anderen Ländern, sind dabei aufgefordert, aktiv und tatkräftig auf Frieden und Gerechtigkeit, auf Unterstützung und Hilfe für die Opfer sowie auf Versöhnung hinzuwirken.

Religions for Peace sucht den Dialog und die friedensorientierte Zusammenarbeit mit Kirchen, Religionsgemeinschaften sowie interkonfessionellen und interreligiösen Institutionen und Initiativen in Russland und der Ukraine, ausdrücklich auch mit der Russisch-Orthodoxen Kirche und dem Interreligiösen Rat der Russischen Föderation. Religions for Peace Deutschland fordert die Kirchen und Religionsgemeinschaften in der Russischen Föderation, insbesondere die Russisch-Orthodoxe Kirche und den Interreligiösen Rat der Russischen Föderation, eindringlich auf, ihren Einfluss auf Staatsführung und Militär der Russischen Föderation zu nutzen, um einen Waffenstillstand zu bewirken, ein unverzügliches Ende des Angriffskriegs gegen die Ukraine zu erreichen und eine konkrete Friedensinitiative zu starten. Religions for Peace Deutschland fordert auch die Bundesregierung und die Europäische Union auf, sich nicht an die Schrecken und die Logik militärischer Mittel zu gewöhnen, sondern wo immer möglich politischen Lösungen und ziviler Friedenspolitik den Vorrang zu geben.

Religions for Peace Deutschland bedauert sehr, dass der Krieg weitere Spaltungen und massive Konflikte zwischen religiösen Akteuren und Institutionen ausgelöst hat: nicht nur in der Russischen Föderation und in den europäischen Staaten, sondern auch in den interkonfessionellen und interreligiösen Beziehungen wie es beispielsweise bei der Weltversammlung des Ökumenische Rat der Kirchen im September 2022 in Karlsruhe, Deutschland, erkennbar war.

Wir danken all denen, die sich für Geflüchtete und vom Krieg betroffene Menschen eingesetzt haben und dies weiterhin tun, die mit Appellen, Spenden und anderen Aktivitäten für Frieden eingetreten sind und für ein Ende von Gewalt und Zerstörung gebetet haben.

Wir rufen auf, weiterhin für die Betroffenen des Krieges und für sofortige Einstellung aller Kampfhandlungen zu beten und humanitäre und zivile Hilfe in der Ukraine und für Geflüchtete zu gewähren.

Religions for Peace Deutschland ist bereit, wenn immer möglich auf internationaler Ebene und bei internationalen Foren und Organisationen einen Beitrag zum Ende des Krieges und zum Frieden in der Ukraine zu leisten und dazu mit Kirchen, Religionsgemeinschaften, Zivilgesellschaft, staatlichen und internationalen Partnern zusammen zu arbeiten.

Votum des Vorstandes von Religions for Peace Deutschland
Prof. Dr. Elisabeth Naurath, Vorsitzende
Augsburg, 7. Oktober 2022

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